Menu

header smartvillages

Smart Villages

Zum Auftakt der Initiative wurde den Gemeinden im Rahmen einer Veranstaltung aufgezeigt, welche Chancen sich ländlichen Kommunen durch den Einsatz verschiedenster Technologien zur Energiegewinnung eröffnen. Themen wie die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung durch die Nutzung dezentralisierter Energieversorgung und die Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung wurden von Herrn Prof. Dr. Heck vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) sowie von Herrn Gerd Schreiner, Bürgermeister und Vorstand der Energiegenossenschaft Ober Kostenz eG, anschaulich dargestellt. Am Beispiel Ober Kostenz, eine Gemeinde im Rhein-Hunsrück-Kreis, wurde verdeutlicht, dass kleine wie große Dörfer von den Potenzialen der Energiewende profitieren können.  

Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung fanden zwei vertiefende Workshops in der Kreisverwaltung Vulkaneifel statt. Dort zeigte das IfaS den Ortsgemeinden die Handlungsfelder und Möglichkeiten zur Initiierung und Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen auf und stellte geeignete Förderprogramme zur Umsetzung vor.

Interessierte Ortsgemeinden besuchen Vorzeige-Energiedorf Niederbettingen
Landwirt René Blum erklärt den Betrieb der Biogasanlage sowie des NahwärmenetzesNach den Workshoprunden im September erhielten interessierte Gemeinden dann die Möglichkeit, sich über die dezentrale Versorgungsanlage in Hillesheim-Niederbettingen zu informieren. Eingeladen hatten hierzu neben Landwirt René Blum, Landrat Heinz-Peter Thiel und Dietmar Pitzen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Vulkaneifel. Begleitet wurde dieser Ortstermin zudem vom Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS), Birkenfeld.

Energie sinnvoll nutzen
Auf dem Bergfelderhof in Hillesheim-Niederbettingen betreibt René Blum eine Biogasanlage mit Nahwärmenetz. Im Jahr werden mit der Biogasanlage rund 4,2 Mio. KW/h Strom erzielt, mit dem der Jahresbedarf von rund 1.600 Haushalten gedeckt werden kann. Ein Teil des erzeugten Stroms wird hierbei zur Betreibung der Anlage benötigt und ein Teil des Stroms wird ins Stromnetz eingespeist. Dass aber auch die auf dem Hof gewonnene Wärme intelligent genutzt wird, veranschaulichte René Blum den Teilnehmern bei einem knapp zweistündigen Hofrundgang. Neben der Wärme, die für die Anlage selbst benötigt wird, werden rund 2,9 Mio. KW/h über Blockheizkraftwerke in das Nahwärmenetz eingespeist. Mittlerweile versorgt die Anlage 75 von 100 Haushalten in Niederbettingen mit Wärme. Die Haushalte haben dabei einen Vollliefervertrag mit dem Landwirt abgeschlossen, d.h. sie werden ausschließlich mit - günstiger - Heizwärme vom Bergfelderhof versorgt. Damit die Energieversorgung auch zu Spitzenzeiten im Winter gesichert ist, hat Landwirt René Blum auf seinem Hof zusätzlich eine Holzhackschnitzelheizung errichtet. Doch auch die überschüssige Wärme im Sommer wird nicht einfach verschwendet. Diese nutzt der Landwirt zur Trocknung von Holzhackschnitzeln.

Nahwärmenetz stärkt Kaufkraft
„Durch das Nahwärmenetz werden in Niederbettingen jährlich bis zu 200.000 Liter Heizöl eingespart“, so der Landwirt. „Auch die Schornsteinfegergebühren und Wartungskosten für die Heizungsanlage entfallen. Pro Haushalt entsteht so ein jährliches Einsparpotenzial von rund 30 %. Potenzial, das die Kaufkraft in unserer Region positiv beeinflusst.“

Schnelle Internetverbindungen
Mit der Errichtung des Nahwärmenetzes hat die Gemeinde aber auch in Sachen Breitbandversorgung profitiert. Beim Anschluss der Häuser wurden zeitgleich auch Glasfaserleitungen, unabhängig davon, ob der Haushalt an das Nahwärmenetz angeschlossen ist, verlegt. Infolgedessen werden nun Geschwindigkeiten von 100 bis 500 Megabytes pro Sekunde erreicht. Niederbettingen ist damit beispielgebend für eine zukunftsfähige Digitalisierung von Wohnund Gewerbegebiet.
Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer die sachkundigen Ausführungen von René Blum und nutzten nach Beendigung des Hofrundgangs die Gelegenheit, dem Landwirt energiepolitische Fragen zu stellen.
Landrat Heinz-Peter Thiel und der Vorstandsvorsitzende der KSK Vulkaneifel, Dietmar Pitzen, dankten zum Abschluss René Blum für sein Engagement und machten deutlich, dass ein gutes Energiekonzept in einer Kommune viel bewegen kann. Es wäre zu begrüßen, wenn ähnliche Projekte im Kreis umgesetzt würden, so Landrat Thiel abschließend.

 

Dokumente: